Aktuelle Entwicklungen

 

Renovierung der Marienorgel

2017
Nur 16 Jahre nach der letzten umfassenden Überarbeitung der Marienorgel wurde im Jahr 2017 eine erneute gründliche Ausreinigung der Orgel erforderlich. Jährlich werden im Freiburger Münster über eine Million Besucher aus aller Welt begrüßt. Täglich feiern die Gläubigen mehrfach Gottesdienste miteinander, Kerzen werden zum Gebet entzündet, und zahlreiche Führungen finden statt. Dieser große Betrieb bringt eine Menge Staub und Schmutz mit sich, was auf Dauer zu Beeinträchtigungen bei den Instrumenten führt. Die empfindliche Mechanik der Orgeln reagiert bei starker Verschmutzung fehlerhaft, „Heuler“ und „Hänger“ können so passieren. Der Staub setzt sich ebenso in den Pfeifen ab und verändert dadurch mit der Zeit auch das Klangbild. Der Orgelklang wird stumpf und die Pfeifen lassen sich nicht mehr richtig stimmen, ohne beschädigt zu werden.
 
Bei der Ausreinigung 2017 war es ebenso erforderlich, das elektrische System der Marienorgel vollständig zu erneuern, um den aktuellen Anforderungen hinsichtlich einer elektrischen Sicherheit zu entsprechen und eine Brandgefahr im Instrument zu verhindern. Die Arbeiten wurden durch die Erbauerfirma Rieger in Zusammenarbeit mit dem Intonateur Ekkehard Fehl ausgeführt.
 
 

Neubau der Chororgel mit Auxiliarwerk

2019

Im Jahr 1964 war die Walcker-Orgel von 1881 durch ein neues Instrument der Firma Rieger ersetzt worden. Es war ursprünglich auf der Nordseite, über dem Chorgestühl aufgestellt. Die Traktur war von Anfang an elektrisch, da ein mechanischer Spieltisch im Chorgestühl nicht erwünscht war.

Aufgrund einer Umgestaltung des Altarraums aus liturgischen Gründen verlegte man die Rieger-Orgel in ein neues Gehäuse auf die Südempore des Chorraums. Nachdem ihre Klanggestalt nie auf diesen nicht optimalen Standort ausgerichtet war und sich die Neuintonation nachteilig ausgewirkt hatte, hat sie ihre wichtige Funktion im Chorraum weitgehend verloren. Nach Jahrzehnten der täglichen Nutzung standen umfangreiche Revisionsarbeiten an dem Instrument an. Angesichts hoher Kosten für technische Arbeiten und einer sehr beschränkten Möglichkeit, die Orgel klanglich entscheidend zu verbessern, transolzierte man die alte Chororgel in die Pfarrkirche nach Salem-Mimmenhausen. Orgelbau Maier (Hergensweiler) integrierte sie klanglich wie baulich hervorragend in den dort deutlich kleineren Raum  – in einen Kirchenraum, der nie zuvor eine Pfeifenorgel besessen hatte.

Im Frühjahr 2019 hat Orgelbau Kuhn aus Männedorf (CH) eine neue Chororgel eingebaut und intoniert. Das jetzige Instrument hat 24 klingende Register, 5 Extensionen und 2 Transmissionen. Die Pfeifen stehen auf Schleifladen, die Transmissionsregister auf Einzeltonladen. Ton- und Registertrakturen sind elektrisch. Die neue Orgel hat keinen eigenen Spieltisch, sie kann also nur von einem der beiden Zentralspieltische aus gespielt werden. Die Gestaltung des Gehäuses variiert den gotischen Spitzbogen der Arkade, die Prospektpfeifen aus einer hohen Zinnlegierung spiegeln das einfallende Licht wider und verlaufen nach oben über das Gehäuse hinaus. Es ergibt sich so eine anregende und schöne Spannung zwischen Orgel, Licht und Raum. Die Chororgel hat nun auch wieder einen Seitenprospekt zum Chorumgang hin, ein Detail, welches die Gestaltung der Walcker-Orgel von 1881 wieder aufgreift.

Seit dem Neubau der Michaelsorgel im Jahr 2008, welche ein klanglich schwaches Vorgängerinstrument auf der Westempore ersetzte, war die klangliche Dominanz im Raum „nach hinten“ verschoben. Diese kräftig intonierte Orgel hat mit ihren sehr schönen Einzelstimmen auch das Problem verdeutlicht, dass im gotischen Kirchenraum ein subtiles Registrieren erforderlich ist, um eine ausgeglichene Klangbalance mit vier Instrumenten zu erreichen. Eine neue Chororgel durfte also nicht einfach nur kräftiger und füllender werden, sondern muss sich behutsam in das Ensemble integrieren. Selbstverständlich kann und sollte das Instrument einen eigenen Charakter besitzen, der aber nicht vordergründig und aufdringlich sein darf. Die Intonateure haben dem Instrument einen romantischen grundtönigen Charakter gegeben. Dabei sind die Mensuren üppig angelegt; die Intonation ist aber durchaus auf einen schönen Obertonaufbau ausgerichtet. Zusammen mit der neobarocken Marienorgel, die 2001 eine grundtönigere Intonation erfahren hat, ergeben sich hier sehr schöne Klangmischungen.

Turmwerk (Auxiliarwerk)

Auxiliarwerk

Um den Bereich der Vierung klanglich zu ergänzen, die Marienorgel zu unterstützen und um solitäre Einzelstimmen der Gesamtanlage hinzuzufügen, wurde ein Auxiliarwerk mit 7 Registern und 2 Extensionen in den ehemaligen Archivraum im ersten Geschoss des südlichen Hahnenturms eingefügt. Die Schallöffnung ins Münster erfolgt durch ein großes Fenster, das mittels Schwelllamellen geschlossen werden kann. Durch die dicken Sandsteinwände ist die Schwellwirkung dieses Werks besonders effektiv. Das Auxiliarwerk hat elektrische Kegelladen und ist in drei Sektionen auf allen Manualklaviaturen und dem Pedal vom Hauptspieltisch aus spielbar.

Zur besseren Nutzung der neuen Chororgel bei Gottesdiensten im Hochchor und für besondere Einsätze bei Konzerten und Aufnahmen wurde ein mobiler Zusatzspieltisch ergänzt. Dieser steuert den elektrischen Hauptspieltisch mit allen Spielfunktionen an.

Die neue Chororgel und das Auxiliarwerk bereichern die ohnehin vielfältige Orgelanlage um einige charaktervolle Einzelstimmen. Der große Chorraum hat jetzt wieder ein Instrument erhalten, das ihn mit Klang füllt, und dem für Liturgie wie Konzert eine im wahrsten Sinne tonangebende Funktion zukommt. Durch die subtil einbindende und dennoch ganz eigenständige Intonation ist hier ein Ensemble von herausragender Schönheit entstanden, das die Orgeln im Münster würdig ergänzt.

Möglich gemacht haben diesen Neubau die Eugen-Martin-Stiftung, die Ellen Gottlieb Stiftung, die Erzbischof Herrmann Stiftung, die Erzbischof Bernhard Stiftung, der Lions Club Alt-Freiburg, sowie über 540 Klangpatinnen und Klangpaten.

 

Vier neue Zungenregister in der Marienorgel

2021
Zungenregister im Hauptwerk
Umfassende Renovierungen haben in den Jahren 2000/2001 und 2017 das ehemals recht spitze und scharfe Klangbild der Marienorgel zu einem grundtönigeren und dennoch sehr farbigen Klangbild verändert. Bereits im Jahre 2017 war schon einmal überlegt worden, vier wichtige und große Zungenregister in Hauptwerk und Pedalwerk auszutauschen, um das Klangbild abschließend abzurunden und wieder eine Einheit innerhalb der Orgel und der gesamten Orgelanlage im Münster herzustellen. Dieses Vorhaben blieb damals aus Gründen der fehlenden Finanzierbarkeit nur ein Traum, welcher jedoch nun durch eine großzügige Zuwendung der Gertrud-Rösch-Stiftung in die Wirklichkeit umgesetzt werden konnte. Ekkehard Fehl aus Teltow, der die Intonationsarbeiten an der Marienorgel 2017 leitete und der für die Wartung der Orgel seither zuständig ist, hat die vier Zungenregister (Posaune 16‘ / Trompete 8‘ im Pedalwerk, Trompete 16‘ / Trompete 8‘ im Hauptwerk) im Frühjahr 2021 in die Orgel einbauen und intonieren können. Die neuen Zungenregister mit deutschen Kehlen gliedern sich klanglich behutsam und sehr gut in die Orgel ein.
 
 
 

Ausreinigung der Michaelsorgel und Neubau eines Chamadenwerks

2023
 
2023 wurde die eine umfassende Revision der Michaelsorgel durch die Firma Metzler-Orgelbau erforderlich. Die im Münster üblichen starken Schmutzablagerungen hatten im gesamten Instrument zu Problemen geführt. Nach der Ausreinigung erfolgte ein Umbau der Schwell-Jalousien des Récit und die Ausstattung mit einer neuen Steuerung, was nun eine viel differenziertere Crescendowirkung mit sich bringt. Eine subtile Nachintonation integrierte die Orgel wieder in das Ensemble der vier Instrumente.
 
Nach Abschluss der Revision der Michaelsorgel wurde ein neues Chamdenwerk mit 3 horizontalen Registern auf das Dach des Solowerks aufgesetzt. Die Fanfarenregister aus der Familie der Trompeten sind dabei horizontal (frz. „en chamade“) angeordnet und sprechen mit einem besonders obertonreichen schmetternden Klang, der im vollen Orgelwerk noch merklich hörbar ist, direkt in den Raum. Dieser Klangeffekt ist besonderen Situationen vorbehalten, etwa in der Liturgie einem festlichen Ein- oder Auszug, oder im Konzert wohldosiert in Finalsätzen von Orgelmusik entsprechender Stilistik.
Das Chamadenwerk wurde finanziell durch die Gertrud-Rösch-Stiftung ermöglicht.