Aktuelle Entwicklungen
Renovierung der Marienorgel
2017
Neubau der Chororgel mit Auxiliarwerk
2019
Im Jahr 1964 war die Walcker-Orgel von 1881 durch ein neues Instrument der Firma Rieger ersetzt worden. Es war ursprünglich auf der Nordseite, über dem Chorgestühl aufgestellt. Die Traktur war von Anfang an elektrisch, da ein mechanischer Spieltisch im Chorgestühl nicht erwünscht war.
Aufgrund einer Umgestaltung des Altarraums aus liturgischen Gründen verlegte man die Rieger-Orgel in ein neues Gehäuse auf die Südempore des Chorraums. Nachdem ihre Klanggestalt nie auf diesen nicht optimalen Standort ausgerichtet war und sich die Neuintonation nachteilig ausgewirkt hatte, hat sie ihre wichtige Funktion im Chorraum weitgehend verloren. Nach Jahrzehnten der täglichen Nutzung standen umfangreiche Revisionsarbeiten an dem Instrument an. Angesichts hoher Kosten für technische Arbeiten und einer sehr beschränkten Möglichkeit, die Orgel klanglich entscheidend zu verbessern, transolzierte man die alte Chororgel in die Pfarrkirche nach Salem-Mimmenhausen. Orgelbau Maier (Hergensweiler) integrierte sie klanglich wie baulich hervorragend in den dort deutlich kleineren Raum – in einen Kirchenraum, der nie zuvor eine Pfeifenorgel besessen hatte.
Im Frühjahr 2019 hat Orgelbau Kuhn aus Männedorf (CH) eine neue Chororgel eingebaut und intoniert. Das jetzige Instrument hat 24 klingende Register, 5 Extensionen und 2 Transmissionen. Die Pfeifen stehen auf Schleifladen, die Transmissionsregister auf Einzeltonladen. Ton- und Registertrakturen sind elektrisch. Die neue Orgel hat keinen eigenen Spieltisch, sie kann also nur von einem der beiden Zentralspieltische aus gespielt werden. Die Gestaltung des Gehäuses variiert den gotischen Spitzbogen der Arkade, die Prospektpfeifen aus einer hohen Zinnlegierung spiegeln das einfallende Licht wider und verlaufen nach oben über das Gehäuse hinaus. Es ergibt sich so eine anregende und schöne Spannung zwischen Orgel, Licht und Raum. Die Chororgel hat nun auch wieder einen Seitenprospekt zum Chorumgang hin, ein Detail, welches die Gestaltung der Walcker-Orgel von 1881 wieder aufgreift.
Seit dem Neubau der Michaelsorgel im Jahr 2008, welche ein klanglich schwaches Vorgängerinstrument auf der Westempore ersetzte, war die klangliche Dominanz im Raum „nach hinten“ verschoben. Diese kräftig intonierte Orgel hat mit ihren sehr schönen Einzelstimmen auch das Problem verdeutlicht, dass im gotischen Kirchenraum ein subtiles Registrieren erforderlich ist, um eine ausgeglichene Klangbalance mit vier Instrumenten zu erreichen. Eine neue Chororgel durfte also nicht einfach nur kräftiger und füllender werden, sondern muss sich behutsam in das Ensemble integrieren. Selbstverständlich kann und sollte das Instrument einen eigenen Charakter besitzen, der aber nicht vordergründig und aufdringlich sein darf. Die Intonateure haben dem Instrument einen romantischen grundtönigen Charakter gegeben. Dabei sind die Mensuren üppig angelegt; die Intonation ist aber durchaus auf einen schönen Obertonaufbau ausgerichtet. Zusammen mit der neobarocken Marienorgel, die 2001 eine grundtönigere Intonation erfahren hat, ergeben sich hier sehr schöne Klangmischungen.
Turmwerk (Auxiliarwerk)
Um den Bereich der Vierung klanglich zu ergänzen, die Marienorgel zu unterstützen und um solitäre Einzelstimmen der Gesamtanlage hinzuzufügen, wurde ein Auxiliarwerk mit 7 Registern und 2 Extensionen in den ehemaligen Archivraum im ersten Geschoss des südlichen Hahnenturms eingefügt. Die Schallöffnung ins Münster erfolgt durch ein großes Fenster, das mittels Schwelllamellen geschlossen werden kann. Durch die dicken Sandsteinwände ist die Schwellwirkung dieses Werks besonders effektiv. Das Auxiliarwerk hat elektrische Kegelladen und ist in drei Sektionen auf allen Manualklaviaturen und dem Pedal vom Hauptspieltisch aus spielbar.
Zur besseren Nutzung der neuen Chororgel bei Gottesdiensten im Hochchor und für besondere Einsätze bei Konzerten und Aufnahmen wurde ein mobiler Zusatzspieltisch ergänzt. Dieser steuert den elektrischen Hauptspieltisch mit allen Spielfunktionen an.
Die neue Chororgel und das Auxiliarwerk bereichern die ohnehin vielfältige Orgelanlage um einige charaktervolle Einzelstimmen. Der große Chorraum hat jetzt wieder ein Instrument erhalten, das ihn mit Klang füllt, und dem für Liturgie wie Konzert eine im wahrsten Sinne tonangebende Funktion zukommt. Durch die subtil einbindende und dennoch ganz eigenständige Intonation ist hier ein Ensemble von herausragender Schönheit entstanden, das die Orgeln im Münster würdig ergänzt.
Möglich gemacht haben diesen Neubau die Eugen-Martin-Stiftung, die Ellen Gottlieb Stiftung, die Erzbischof Herrmann Stiftung, die Erzbischof Bernhard Stiftung, der Lions Club Alt-Freiburg, sowie über 540 Klangpatinnen und Klangpaten.





