Langschifforgel

 
Wie ein Schwalbennest hängt an der Nordwand des Langhauses an der ältesten nachweisbaren Stelle einer Orgel im Münster das 1965 von der dänischen Firma Marcussen erbaute Instrument.
 
 

Beschreibung und Disposition

 
„Schwalbennestorgel“ an der nördlichen Langhauswand
 
Marcussen und Søn, Apenrade/Dänemark op. 743 (1965)
Ausreinigung und elektrischer Anschluss des Rückpositivs durch Fischer+Krämer, Endingen (1985)
Renovierung durch Metzler-Orgelbau, CH Dietikon (2010)
 
II+P / 21 (1615 Pfeifen)
 
Die Langschifforgel erhielt beim Neubau 1965 durch die Firma Marcussen in Apenrade / Dänemark wieder ein im weitesten SInne rekonstruiertes Gehäuse der Ebert-Orgel von 1545. Da das ursprüngliche Rückpositiv über die Jahre seit dem Neubau durch Martin 1817 nicht mehr vorhanden war, baute Marcussen es als Verkleinerung des Hauptgehäuses in Maßstab 1:4 neu.
 
Die Orgelkanzel besteht nach neueren Untersuchungen vermutlich noch aus der Zeit Eberts und wurde über die Jahrhunderte hinweg nur geringfügig verändert (v.a. Farbfassung). Die beiden historischen Skulpturen, der Rohraffe aus dem Jahr 1530 von Sixt von Staufen und die Marienstatue aus dem Jahr 1545 von Sixt von Staufen (mit späterer Strahlenmandorla von 1929), sowie weitere Zierfiguren und Schleierbretter aus verschiedenen Jahrhunderten wurden wiederum in das Gehäuse integriert.
 
Es entstand eine Orgel mit mechanischer Tontraktur nach barocker Klangvorstellung. Sie kam an die seit dem 15. Jahrhundert nachweisbare und akustisch vorteilhafte Stelle an die nördliche Langhauswand. Die Orgel hat eine elektrische Registertraktur in Hauptwerk und Pedal, sowie eine ursprünglich rein mechanische Registertraktur im Rückpositiv. 1985 erfolgte neben einer Ausreinigung der elektrische Anschluß des Rückpositiv an den Hauptspieltisch durch die Firma Fischer + Krämer / Endingen unter Hinzufügung von Register- und Tonmagneten.
 
2010 wurde diese Orgel gründlich gereinigt und unter Wahrung der Disposition und Klangidee durch die Firma Metzler Orgelbau / CH-Dietikon renoviert und ausgleichend intoniert. Die Renovierung wurde großzügig durch die Eugen-Martin-Stiftung gefördert.
 
II. Hauptwerk (C-g''')
I. Rückpositiv (C-g''')
Pedal (C-f')
1. Prinzipal 8' 8. Gedackt 8' 16. Prinzipal 16'
2. Rohrflöte 8' 9. Prinzipal 4' 17. Oktave 8'
3. Oktave 4' 10. Rohrflöte 4' 18. Oktave 4'
4. Blockflöte 4' 11. Gemshorn 2' 19. Mixtur 5f. 2 2/3'
5. Oktave 2' 12. Sifflöte 1 1/3' 20. Fagott 16'
6. Mixtur 5-7f. 1 1/3' 13. Sesquialtera 2f. 2 2/3' 21. Schalmei 4'
7. Trompete 8' 14. Scharf 4-6f. 2/3'  
  15. Dulzian 8'  
 - Rohraffe- - Tremolo -

Koppeln der mechanischen Spielanlage: I/II, II/P, I/P, I/P 4'
Mechanische Schleifladen, vom Hauptspieltisch auch elektrisch anspielbar.
 
 

Audio / Video

 
 
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CD

"In Stylo Phantastico"

Matthias Maierhofer an der Langschifforgel (Marcussen, 1965) im Freiburger Münster

Deutsch-Englisches Booklet mit Texten von Dr. Michael Belotti (zum Programm) und Dr. Jan Kühle (zur Orgel).

CD 1 der fünfteiligen CD-Reihe von Domorganist Professor Matthias Maierhofer aus dem Freiburger Münster. Es erklingen Werke im norddeutschen Barockstil.

Erhältlich ist die CD für 15 Euro im Münsterladen, im Münster, c-punkt Münsterforum, auf dem Münsterturm, im nationalen und internationalen Fachhandel und digital.
 

www.ambiente-audio.de

 

Langschifforgel 1946-1964

 
(M. Welte und Söhne, Freiburg, 1936; Umbau (*) W. Dold, 1945/46)
1964 abgebaut, 1965 nach St. Laurentius Bötzingen transloziert.
1998 abgebaut und mittlerweile im Orgelmuseum Sixtus Lampl / Valley eingelagert.

II+P / 15 + 4 Transmissionen, el./el.
I. Hauptwerk (C-g''') II. Oberwerk (C-g''') Pedal (C-f')
1. Principal 8' 7. Weitgedackt 8' 13. Principalbaß 16'
2. Spitzflöte 8' 8. Singend Principal 4' * 14. Subbaß 16'
3. Ital. Principal 4' * 9. Weitpfeife 2' 15. Stillgedackt 16' (W 14)
4. Oktav 2' 10. Schwiegel 1' 16. Weitgedackt 8' (Tr. 7)
5. Mixtur 4-6f. 1 1/3' 11. Terzcymbel 3f. 4/5' 17. Choralbaß 4' (Tr. 8)
6. Trompete 8' * 12. Trompetenregal 8' * 18. Flötbaß 2' (Tr. 9)
  - Tremolo - 19. Krummhorn 8' * (a.e. Tr. 12)
     
  - Rohraffe-
 
W = Windabschwächung; Tr. = Transmission
 
(Quelle der Disposition: Dr. Carl Winter: Die große Orgel im Münster zu Freiburg i. Br.; Orgel-Monographien: 48, Rheingold-Verlag, Mainz, ca. 1946)
 
Anmerkung: Die Angaben sind an den mit * markierten Stellen in Frage zu stellen. Anlässlich der Translokation der Orgel nach Bötzingen 1964 durch Orgelbau Späth (Freiburg) findet sich ausschließlich die Disposition von 1936. Die Transmission des Zungenregisters des 2. Manual ins Pedal ist unverändert vorhanden (Krummhorn 8'), sodass die Stellung des Trompetenregal 8' im 2. Manual fraglich ist. Eine Trompete 8' im Hauptwerk findet sich nicht, hierbei könnte es sich jedoch um die Umbenennung des Registers Trompetenregal nach intonatorischen Änderungen handeln. Klangliche Änderungen auf Veranlassung Carl Winters um 1946 sind anzunehmen und beschrieben, in welchem Umfang und ob durch wirkliche Registeränderungen oder nur Änderungen der Intonation, ist fraglich und aktuell nicht an anderen Quellen nachzuweisen.
 
Langschifforgel 1936-1964
 

Langschifforgel 1936-1945

 
Rückführung der Orgel auf die ursprünglichen Maße nach dem Abbau der Orgel von 1929, klangliche Rückführung auf ein barock orientiertes Instrument.
 
M. Welte & Söhne, Freiburg  (1936)

II+P / 14 + 5 Transmissionen, el./el.
 
I. Hauptwerk (C-g''') II. Oberwerk (C-g''') Pedal (C-f')
1. Principal 8' 7. Weitgedackt 8' 13. Principal 16'
2. Spitzflöte 8' 8. Ital. Principal 4' 14. Subbaß 16'
3. Nachthorn 4' 9. Weitpfeife 2' 15. Stillgedackt 16' (W 14)
4. Oktav 2' 10. Blockflöte 1' 16. Weitgedackt 8' (Tr. 7)
5. Mixtur 4-6f. 1 1/3' 11. Terzzimbel 3f. 4/5' 17. Choralbaß 4' (Tr. 8)
6. Trompetenregal 8' 12. Krummhorn 8' 18. Flötbaß 2' (Tr. 9)
  - Tremolo - 19. Krummhorn 8' (Tr. 12)
     
  - Rohraffe-
 
W = Windabschwächung; Tr. = Transmission
 

Langschifforgel 1929-1936

 
Neubau an der nördlichen Langhauswand
(M. Welte und Söhne, 1929)

III+P / 58, el./el.
 
I. Hauptwerk (C-c'''')
II. Oberwerk (C-c'''')
III. Schwellwerk (C-c'''')
Pedal (C-f')
       
1. Principal 16' 15. Quintatön 16' 26. Liebl. Gedackt 16' 44. Principal 16'
2. Principal 8' 16. Geigenprincipal 8' 27. Flötenprincipal 8' 45. Subbaß 16'
3. Nachthorn 8' 17. Salicional 8' 28. Äoline 8' 46. Salicetbaß 16'
4. Gemshorn 8' 18. Unda maris 8' 29. Vox coelestis 8' 47. Zartbaß 16' (Tr. 26)
5. Gamba 8' 19. Rohrflöte 8' 30. Bordun 8' (Tr. 26) 48. Quintbaß 10 2/3'
6. Großflöte 8' 20. Blockflöte 4' 31. Konzertflöte 8' 49. Cello 8' (Tr. 46)
7. Flöte 4' 21. Praestant 4' 32. Oktav 4' 50. Oktav 8' (E. 44)
8. Oktav 4' 22. Harm. aeth. 4f.  2 2/3' 33. Hornflöte 4' 51. Gedacktbaß 8' (Tr. 26)
9. Quinte 2 2/3' 23. Waldflöte 2' 34. Violine 4' 52. Quintbaß 5 1/3' (E. 48)
10. Cornett 3f. 2 2/3' 24. Krummhorn 8' 35. Sesquialter 2f. 53. Choralbaß 4'
11. Super Oktav 2' 25. Englisch Horn 8' 36. Bachflöte 2' 54. Mixtur 5 1/3'
12. Mixtur 4-6f. 2 2/3'   37. Zimbel 3f. 4' 55. Contra Tuba 32' (ds)
13. Trompete 8'   38. Septime 1 1/7' 56. Posaune 16'
14. Klarine 4'   39. Schwiegel 1' 57. Trompete 8' (E. 56)
    40. Basson 16' 58. Trompete 4' (E. 56)
    41.  Oboe 8'  
    42. Tuba 8'  
    43. Zink 4'  
    - Tremolo -  
 
Elektropneumatische Membranenladen, vom Hauptspieltisch im Chorraum aus spielbar.
Tr. = Transmission
E. = Extension
ds = durchschlagend
Nr. 55 (Contra Tuba 32') wurde auf der Michaelsempore aufgestellt.
Neben der Hauptorgel im Langschiff gehörten ein Hochdruckwerk und ein Fernwerk auf der Michaelsempore zu der Orgelanlage, zudem war die Chororgel von Walcker über den Hauptspieltisch ebenso anspielbar.
 
 
Welte-Orgel von 1929 im Langschiff
 

Langschifforgel 1870-1929

 
(Louis-Benoit Hooghuys, Brügge, 1870)
Stiftung von Baron John Sutton
 
II+P / 16 (Wechselschleife)
 
Hauptmanual (C, D-c''') Positivmanual (C, D-c''') Pedal (C, D-c0)
     
1. Bourdon 16'   18. Principalbaß 16'
2. Principal 8' 11. Principal 8' (WS) 19. Bourdon 16'
3. Bourdon 8' 12. Bourdon 8' (WS) 20. Flötbaß 8'
4. Oktave 4' 13. Oktave 4' (WS) 21. Quintbaß 5 1/3'
5. Flöte 4' 14. Flöte 4' (WS) 22. Octave 4'
6. Oktave 2' 15. Oktave 2' (WS) 23. Mixtur 6f.
7. Quinte 2 2/3' 16. Quint 2 2/3' (WS)  
8. Mixtur 5f.    
9. Cymbel 3f. 17. Mixtur 3f. (WS)  
10. Cornetto 5f.    
 
(Quellen der Disposition: Hans Musch, "Orgelkunst am Oberrhein", Ars Organi 37, 1989; Josef Lederle, Die Kirchenorgel, 1882)
 
Langschifforgel von 1870 mit geschlossenen Flügeltüren
 

Schwalbennestorgel 1545

 
(Jörg Ebert, 1544/45) 
 
Manual (FGAB - g'' a'')   Positiv (FGAB - g'' a'')
Pedal (FGAB - g a)
1. Principal
Principal 8'
  8. lieblichs flöutin
Principal 4'
12. Principal
Principal 16'
2. Octaven
Octav 4'
  9. zimbelin
Zimbel
13. Octav
Octav 8'
3. dreifach zimbeln
Zimbel 3f. 1 1/3'
  10. hörnlin
Hörnle 3f.
14. gewaldiger hindersatz
Hintersatz 16f. 4'
4. hindersatz
Mixtur 12f. 2'
  11. Mixtürlin
Mixtur 3f.
15.trumeten
Trompete 8'
5. faberton
Rauschpfeife 2f.
2 2/3' + 2'
    16. verdeckts hörnlin
Hörnle
6. verdeckte fleuten
Gedackt 8'
     
7. trumeten
Trompete 8'
     
 
Mechanische Schleifladen
Vogelgesang, hertrumen (Heertrummen), Rohraffe
 
Die Darstellung folgt jeweils in der ersten Zeile des Registernamens der Angabe aus dem Verdingzettel Eberts von 1544 und in der zweiten Zeile dem Bericht Beutters von 1813.
(Quelle der Disposition von Ebert: H. Musch, in: Musik am Freiburger Münster, Rombach 2002)
 
Ebert-Orgel. Zeichnung von Jos. Felizian Geissinger, 1798